Es war ein stiller, verschneiter Abend, als Jona seinen Lieferwagen vor dem Regulahaus an der Kantstrasse stoppte. Er hatte nur noch ein einziges Paket im Laderaum – eingewickelt in silbernes Papier, ohne Adresse, nur mit einer kleinen Karte:
„Für meine lieben Bewohner*Innen und Mitarbeitenden des Regulahaus»,
Das Regulahaus kannte er: ein Ort, an dem Menschen mit psychischen oder sozialen Schwierigkeiten nicht nur wohnen, sondern Gemeinschaft finden.
Eine Betreuerin empfing ihn an der Tür. „Oh – wir hatten heute gar keine Lieferung erwartet.“
„Ich glaube trotzdem, dass es für euch ist“, sagte Jona und reichte ihr das Paket.
Im Gemeinschaftsraum saßen einige Bewohnerinnen und Bewohner beisammen. Sie öffneten neugierig das silberne Papier. Zum Vorschein kam eine hölzerne Kiste voller Orangen und Mandarinen, frisch, duftend und farblich wie kleine Sonnen.
Obenauf lag ein Brief:
„Mit herzlichen Grüssen – von einer ehemaligen Vorständin.
möge ein bisschen Wintersonne eure Tage heller machen.“
Ein Lächeln ging durch die Runde, leise Erinnerungen wurden wach. Man begann sofort, die ersten Früchte zu teilen.
„Bleib doch noch einen Moment“, sagte ein Bewohner zu Jona, „wir trinken gleich heissen Punsch. Und es gibt selbstgebackenes Weihnachtsgebäck.“
Jona zögerte kurz, doch die warme Atmosphäre gewann. Er setzte sich dazu, bekam eine Tasse dampfenden Punsch in die Hand gedrückt und probierte ein Stück vom Zimtgebäck. Es schmeckte nach Ruhe, nach Zuhause, nach einem Moment echter Verbundenheit.
Als er später wieder im Lieferwagen saß, zufrieden und mit einem breiten Lächeln im Gesicht, dachte er:
Gemeinschaft zu erleben ist wichtig – und wunderschön.
Und plötzlich freute er sich noch viel mehr darauf, bald Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen. Die Wärme dieses Abends nahm er mit – wie ein kleines, leuchtendes Geschenk, das nicht im Laderaum lag, sondern in ihm selbst.
(Ein Fixpunkt an unseren Weihnachtsfeiern ist jeweils eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und vorgelesen von Marco Döbeli - beruhend auf tatsächlichen Begebenheiten und viel Fantasie)